Die schwäbische Hauptstadt Mariens

Interview der Sonntagszeitung

Mit Wallfahrtsdirektor Msgr. Reichart

zur Kirchenrenovierung, Corona und Weihnachten

 

 

 

Dank eines raffinierten Einfalls wurde der Fest-Gottesdienst mit zahlreichen Pilgern am 15. August doch noch möglich. Irgendwann aber helfen auch die tollen Ideen nicht mehr, auch nicht in Maria Vesperbild: Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart schildert im Exklusiv-Interview, wie Corona ausgerechnet im Renovierungsjahr dem Pilgerort zugesetzt hat – und gibt Tipps, wie trotz aller Beschränkungen durch die Pandemie eine gute Einstimmung auf Weihnachten möglich ist.

 

Monsignore Reichart, anders als auf der Wiese vor der Grotte können Sie in der Wallfahrtskirche keine Häufchen aus Sägespänen aufbringen, um den Sicherheitsabstand zu markieren. Wie klappt es mit den Hygienevorschriften?

Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir die Gottesdienste auf die Außenbildschirme und ins Pilgerhaus übertragen können, so dass bei uns trotz Corona-Regeln immer alle an der hl. Messe teilnehmen können.

 

Ist die Zahl der Pilger stark zurückgegangen?

Beim Sonntagsgottesdienst sind es etwa ein Drittel weniger. An der Grotte spüren wir keinen Rückgang. Die meisten Pilgergruppen aber haben abgesagt.

 

Und wie hat sich das auf die notwendigen Spenden für die Renovierung und den Baufortschritt ausgewirkt?

Die Opfer in der hl. Messe haben sich ungefähr halbiert. Gott sei Dank aber bekommen wir aus dem ganzen deutschen Sprachraum Spenden für die Renovierung überwiesen. Der Baufortgang ist gesichert! Aber wir müssen uns sehr anstrengen. Zur Zeit bieten wir sogar Ziegelsteine aus der Wallfahrtskirche gegen Spenden an.

 

Sehen Sie Chancen, dass der 15. August 2021 schon wieder ein großer, unbeschwerter Festtag werden kann?

Wir beten darum, dass diese verrückten Zeiten hoffentlich bis dahin vorbei sind. Jedenfalls möchten wir es wenigstens wieder so schön und feierlich machen wie dieses Jahr. Wir Menschen brauchen die Kraft und den Schutz von oben und darum schöne Gottesdienste! Vor allem freuen wir uns doch schon auf unseren neuen Bischof Bertram Meier!

 

Viele Menschen wissen noch gar nicht, wie sie angesichts der Pandemie in diesem Jahr Weihnachten so feiern können, wie man es von diesem großen Hochfest gewohnt ist. Advent, soviel steht fest, wird eine wahrhaft „staade Zeit“. Was raten Sie den Gläubigen, damit es doch ein inniges Christfest wird?

Ich rate den Gläubigen, Corona gerade jetzt im Advent als einen Aufruf Gottes zur Umkehr anzusehen!

Jesus hat uns nie den Himmel auf Erden versprochen – im Gegenteil! Gott will aber, dass wir das Unheil nutzen, damit es für uns zum Heil wird.

Wir bekommen heuer die Chance, Advent und Weihnachten nicht mehr länger wie die neuen Heiden zu feiern. Denn wir haben uns in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend versündigt, indem fast alle die Verweltlichung von Advent und Weihnachten mitgemacht haben.

Der Advent ist doch nach christlichem Verständnis eine stille Zeit, sogar eine Zeit der Buße, in der wir uns durch Reue und Umkehr auf die Ankunft des Erlösers vorbereiten sollen! Stattdessen haben wir immer mehr Weihnachten in den Advent hineingezogen, weil Buße und Umkehr natürlich etwas Unangenehmes ist.

 

Und wie sollte das Fest eigentlich begangen werden?

Man stelle sich einmal vor: Der Hl. Abend war noch bis vor wenigen Jahrzehnten bis um18 Uhr ein Fasttag! Danach haben die katholischen Christen etwas Einfaches gegessen und dann die Kinder beschert. Spät in der Nacht gingen die Christen dann zur Mette (=Mitternachtsmesse). Und heute gehen massenhaft erwachsene Christen am hellen Nachmittag des Hl. Abend zur „Kindermette“ und haken damit dann Weihnachten ab. Die eigentlichen Weihnachtsfeiertage sind – darf ich es überspitzt sagen – zu Fress-, Geschenk- und Besuchs-Orgien verkommen.

Jetzt werden wir – Dank Corona – mehr als deutlich angehalten, aus den Advents- und Weihnachtstagen wieder das zu machen, was sie nach christlichem Verständnis eigentlich sind.

Nehmen wir heuer dankbar den Advent als eine stille Zeit der Besinnung an, wo wir uns ernsthaft bemühen, bessere Christen zu werden. Legen wir dazu unbedingt auch eine gute Beichte ab.

Gestalten wir den Hl. Abend und Weihnachten mit unseren Lieben so, dass klar wird, dass das eigentliche Geschenk die Ankunft unseres Erlösers ist: Keine Bescherung ohne einen kleinen Hausgottesdienst. Innige Mitfeier einer echten Christmette oder des Weihnachtshochamtes, Mitfeiern des Gottesdienstes am Stefanstag mit Kindersegnung – notfalls am Bildschirm.

Ich bin überzeugt: Wenn wir die Chance von Corona nutzen, dann wird Advent und Weihnachten wieder ein inniges tiefes Erlebnis – ja sogar eine Zeit der Gnade!

 

                                                                       Interview: Johannes Müller 

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